Zur Veranstaltung „Bee Berlin – Quo vadis Bienenschutz in Berlin?“ hatte heute die SPD-Fraktion ins Abgeordnetenhaus von Berlin zu einer Diskussion speziell zu Honigbienen in der Stadt geladen und wir sind gefolgt. Organisiert hatte die Veranstaltung das MdA und ehemaliger Grüner, nun aber SPD-Roter, Dr. Turgut Altuğ. Eingeladen war eine illustre Runde aus Kompetenzen der Politik, des Veterinäramts, Imkerverbands und Verbraucherschutzes.
Zu Begin bewies Read Saleh, dass er noch zu jedem politischen Randthema eine lockere Ansprache halten und 15 Minuten füllen kann. Durchaus interessant war von ihm zu hören, dass es im Koran sogar eine Sure allein zu Bienen gibt. Dieses prominente Auftreten der Biene zeigt ihre schon damals große wirtschaftliche Bedeutung, die heute eher in Vergessenheit geraten ist. Herausragende Erfolge zum Thema aus der gerade noch laufenden Legislatur hatte er aber nicht zu vermelden. Auch später in der Diskussion ließ sich feststellen, dass es eher um das Formulieren von wünschenswerten Dingen ging, als um eine konkrete Planung von Initiativen. Sehr ehrlich wurde stets darauf hingewiesen, dass die jetzige Legislaturperiode im September diesen Jahres endet und niemand die Mehrheitsverhältnisse und den Ausgang von Koalitionsverhandlungen vorhersehen kann. Politik halt.
Ausschnitte des Films „More than Honey“ und ein Lagebericht zur Berliner Imkerschaft, dienten als Impuls für eine rege Diskussion. Spannend wurde es bei der Frage was man an welchen Stellen mit Förderungen und Zuschüssen seitens der Politik bewegen kann. Richtig – an dieser Stelle brauchte es keinen Impuls, die Vertreter von Initiativen und Organisationen fingen von allein an unruhig auf den Sitzen hin und her zu rutschen. Die einen lobten, was sie alles täten, die anderen identifizierten die Imker mit ihren in Massen gehaltenen Bienen als die Wurzel allen Wildbienenübels. Das es den Wildbienen eher an Habitaten und speziellen Pollenressourcen fehlt, als dass sie Versorgungsengpässe durch Konkurrenz zu bewältigen hätten, wurde von der Vorsitzenden des Imkerverbandes Berlin sehr kompetent eingeordnet. Sie ist halt vom Fach. Diese Habitate konkurrieren auch mit der Berliner Wohnungsnot und werden bei den politischen Entscheidungen ganz sicher den Kürzeren ziehen. Gerade deshalb ist Aufklärung wichtig, um in ländlicheren Gebieten Brachen oder bepflanzte Randstreifen ohne Widerstände durchsetzen zu können.
Der Annahme, dass Wildbienen kaum den so dringend nötigen Wohnungsbau in Berlin verhindern werden, widersprach im Saal schließlich niemand. Auch, dass es mehr Aufklärung und Information über die Lage und Bedürfnisse von Wildbienen geben müsse, war Konsens. Als klar wurde, wer angerufen wird, wenn es um vermeintliche Probleme mit Hautflüglern, wie Wespen, Hornissen oder Wildbienen geht, rückte der massentierhaltende Imker wieder in den Blick. Diesmal etwas positiver konnotiert. Denn genau dieser wird als allererster angerufen und erklärt einem besorgten Mitbürger, dass z.B. Solitärbienen oder Erdwespen keine Gefahr darstellen, Hornissen für weniger Fliegen auf der Wurst sorgen und und und. Wir selbst haben beispielsweise drei Hummelkästen, die wir jedes Jahr mit drei verschiedenen Hummelarten besiedeln, Lehm- und Sandhaufen im Garten und sogenanntes Unkraut darf bei uns schlicht blühen. Alles weit weg vom fördergeldempfangenden und profitgierigen Bienenhalter, der im Summen ausschließlich „the sound of money“ vernimmt.
Unterm Strich, viel Wahlwerbung aber nichts dahinter.



