Goldener Honigherbst

Von Juli bis Oktober blühen auf Ackerbrachen, Bahndämmen oder an Straßenrändern überall gelbe Ähren an hohen, spitzblättrigen Stängeln. Bei passendem Wetter erweist sich die Goldrute als wahrer Magnet für Bienen, und die Nachfrage nach dem entsprechenden Honig ist rasant gestiegen.

Vor allem im Internet wird Goldrutenhonig immer häufiger als neues Superfood mit positivem Einfluss auf eine Vielzahl von Erkrankungen angepriesen. Im Mittelalter wurde die Arzneipflanze aufgrund ihrer harntreibenden Wirkung sehr geschätzt. Von diesem Ruf profitiert heute auch der Honig aus dem Nektar dieses Krauts. In der Folge wird inzwischen weltweit zehnmal mehr Goldrutenhonig angeboten als das noch vor zehn Jahren der Fall war – und das zu einem im gleichen Maße gestiegenen Preis. Allerdings ist eine medizinische Wirkung des Honigs bislang wissenschaftlich nicht nachgewiesen.

Regen vor der Blüte

Die Goldrute gehört zur Familie der Korbblütler, einer sehr großen Pflanzenfamilie, zu der auch Löwenzahn, Gänseblümchen, Rainfarn, Disteln, Artischocken und Sonnenblumen gehören. In unseren Breiten findet man drei Arten: die Gewöhnliche, die Kanadische und die Riesen-Goldrute. Davon ist lediglich die Gewöhnliche Goldrute bei uns heimisch.

Honigbienen fliegen aber bevorzugt die kanadische Variante Solidago canadensis an, da sie mehr Nektar und Pollen als die anderen Arten anbietet. Man erkennt sie an den spitzen, im vorderen Bereich gesägten Stängelblättern und vor allem am späteren Blühbeginn im August. Vor der Blütezeit braucht die Goldrute viel Regen, während der Blüte mag sie es dann aber warm und sonnig. Nur bei solchem Wetter können sich die Nektarien und Blütenkörbchen auf der Oberseite der Rispenzweige optimal entwickeln und genügend Nektar für eine lohnende Honigernte spenden. Für eine gute Nektartracht ist es egal, ob dann Trockenheit oder Regen vorherrscht, das Honigpotenzial der Blütenkörbchen hängt allein vom gefallenen Regen vor der Blütezeit ab. Sind die Wetterbedingungen optimal, können am Ende schnell fünf bis zehn Kilogramm Honig pro Volk aus der Schleuder in die Hobbocks fließen.

Ist man sich unsicher, ob wirklich Goldrutenhonig durch die Siebe rinnt, genügt ein kurzer Atemzug durch die Nase. Steigt einem der Geruch von zu lange getragenen Sportsocken ins Riechorgan, kennt man die Nektarquelle ganz genau. Zudem kommt zu dieser Zeit meist nur Blatthonig als größere alternative Trachtquelle infrage. Der ist durch seine dunkle Farbe aber leicht vom Goldrutenhonig zu unterscheiden.

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Das Geruchsaroma des Goldrutenhongis ist aber tatsächlich gewöhnungsbedürftig. Man könnte es durchaus als „würzig“ beschreiben, ehrlicher wäre jedoch „käsig“. Wie beim Buchweizenhonig, passt hier der imkerliche Verkaufsspruch „Er ist nicht gut, solange er nicht riecht!“, denn glücklicherweise schmeckt der Honig keineswegs so, wie der Geruch, der einem schon beim Abernten der Völker übel in die Nase steigt, vermuten lässt. Ein Löffel davon auf dem Genießergaumen lässt ein malziges, an Butterkaramell erinnerndes Aroma erschmecken, das am Ende in ein frisches „apfeliges“ Geschmackserlebnis übergeht.

Nur Völker mit wenig Milben

Schon bei kleineren Flächen von der Größe von drei bis fünf Hektar, lohnt sich das Anwandern mit einer zweistelligen Völkerzahl durchaus, denn die möglichen Honigerträge liegen mit über 100 Kilogramm pro Hektar etwa auf dem Niveau der erreichbaren Lindenerträge auf gleicher Fläche. Eine interessante Quelle ist diesbezüglich die Tabelle von Pater Dugat (Pierre Antoine Marcel Dugat), der schon 1949 über die ungefähren Honigerträge pro Hektar in einer Saison von verschiedenen nektarproduzierenden Pflanzen schrieb.

Es ist jedoch Vorsicht geboten! Goldrutenhonig kristallisiert, wie alle Honige von Korbblütlern, schnell aus und eignet sich daher nicht für die Überwinterung. Deshalb sollte man die Völker vor der Tracht am besten auf die wenigen, mit Brut besetzten Waben einengen und im Honigraum ausschließlich ausgebaute Waben verwenden. In dieser späten Zeit bauen die Bienen auch bei üppigem Nektareintrag eben nur noch sehr wiederwillig neues Wabenwerk. Natürlich verbleiben alle übrigen Rähmchen des Brutraums mit den Futtervorräten hinter dem Schied, damit die Völker auch Schlechtwetterperioden überbrücken können. Bei Betriebsweisen mit geteiltem Brutraum sollte man die Völker auf eine Brutraumzarge einengen und ebenfalls ein Schied benutzen. Dieser Aufbau führt dazu, dass der Nektar in den Honigraum eingetragen und nicht brutnestnah gelagert wird oder gar das Brutnest verhonigt. Mit zusätzlich eingeengten Fluglöchern – denn in der Goldrute bricht eher als bei anderen Trachten Räuberei aus – sind die Völker dann bereit für die seltene Tracht.

Allerdings sollte man nur Wirtschaftsvölker auswählen, die in der Zeit zwischen Juli und Anfang August keinen natürlichen Milbenfall aufweisen. Zeitig im Jahr gebildete und stark entwickelte Jungvölker können sich aufgrund ihrer geringen Varroalast hier das erste Mal beweisen. Dann genügt nach der Honigernte, ab Mitte September, eine Langzeitapplikation von Ameisensäure bei großer Verdunstungsfläche zur zufriedenstellenden Entmilbung. Alternativ kann man auch die verdeckelte Brut entnehmen und anschließend mit Oxalsäure behandeln.

Mögliche Negative Auswirkungen

Die Auswirkungen dieser Tracht auf die Bienenvölker sind allerdings immens. Während und auch noch nach der Tracht kann man einen rasanten Abbau der Volksstärke beobachten. Untersuchungen zeigten, dass Arbeiterinnen, die sich nur von Goldrutenhonig ernähren, eine zehnfach geringere Überlebensrate aufweisen als solche, die Honig von unterschiedlichen Nektarressourcen oder eine Zuckerlösung zu sich nehmen. Auch die Fülle an eingelagertem minderwertigen Goldrutenpollen, mit seinem geringeren Gehalt an Pollenproteinen, kann in der darauffolgenden Bienensaison schnell zu einer schwächeren ersten Generation von Sommerbienen führen.

Darüber hinaus zeigten Untersuchungen, dass die invasive Kanadische Goldrute leicht die Vegetation dominiert und dadurch andere wichtige Pollen- und Nektarquellen für Bestäuber verdrängen kann. Daher sollte man die Ausbreitung der Goldrute keinesfalls zusätzlich durch Pflanzungen oder Aussaaten fördern. Bei einem bestehenden Bestand bietet eine Wanderung in die Goldrute aber eine lohnende Erweiterung der angebotenen Honigpalette, die viele Kunden fasziniert und in der Folge wiederkehren lässt.

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BJ-Artikel-Goldrute